Ich blicke lange in die blutige Masse im Spiegel und versuche mich zu erkennen. Das ist nicht einfach. Schliesslich sind Spiegel für mich eher etwas um die Wunden besser zu nähen. Mich selber darin zu erkennen viel mir noch nie leicht. Wozu auch? Häßlich war ich schon immer. Jetzt vielleicht noch ein bischen mehr. Immerhin, niemand kann sagen, das ich nicht ein einzigartiges Gesicht hätte. Soviele Narben sind kein Kinderspiel. Und weitere Narben über den Narben. Und über jenen nochmals Narben.
Ich war mal in einem Japanischen Restaurant. Nicht das es mir Geschmeckt hätte, ich war da nur um jemanden einen Gefallen zu tun. Jedenfall stand der Koch an dem Herd und fuchtelte wild mit seinen Messern rum. Und das was er mit dem Fleisch und Gemüse tat, erzeugt etwa das gleiche Ergebnis wie in meinem Gesicht. Schade eigentlich das ich ihm damals die Finger brach weil er seine Spielschulden nicht bezahlt hatte. Aber das hätte er sich vorher überlegen sollen. Der wird jedenfalls nie wieder ein Messer schwingen und harmlosen Fisch damit zerfetzen. Der Gedanke daran läßt mich leise lachen - verdammt, wer hätte gedacht, das Lachen so scheiss weh tun kann? Vor lauter Schmerzen kotze ich mir die Seele aus dem Leib und jeder Magenkrampf macht es nur noch schlimmer.

Aber ich darf jetzt nicht aufgeben. Nicht wieder alles kaputt machen. Es hängt schließlich alles von mir ab. Ich sehe zwar aus, als könnte ich keine zwei Meter weit gehen, wie ein überfahrenes Kaninchen, das schon so lange auf der Straße liegt, dass man es gar nicht mehr erkennen kann, aber ich muß durchhalten. Es ist einfach zu wichtig. Ich bin es Goldie schuldig. Goldie...
Trotzdem. Ich habe eine Scheissangst. In meinem Kopf, in meinem Bauch in meinen Eiern. Als hätte mir einer Gewichte an den Sack gehängt. Scheisse. Ich darf jetzt nicht durchdrehen, keine Angst haben. Nicht dran denken, bloss nicht dran denken...

Wenn ich Glück habe bekomme ich eine Kugel in den Kopf. Sauber. Schmerzlos. Schnell.
Aber ich habe selten Glück. Bei dem Gedanken krampft sich mein Magen zusammen und ich muss schon wieder kotzen. Es ist nicht alleine die Übelkeit die mich zittern läßt wie einen halbtoten Fixer. Es ist scheiss viel Angst.
Ich versuche mir meinen Tot vorzustellen. Mitten im Kampf, die Leiche Roarks vor mir, zerschmettert und verdreht, und ich bekomme meine Kugel...

Ich kann es nicht. So wird es nicht kommen. Sie werden mich schnappen. Lebend natürlich. Das wäre auch zuviel verlangt. Sie werden mich einsperren. Lange, lange Zeit. Fragen. Verhören. Immer und immer wieder. Und dann, dann werden sie mich vor Gericht stellen. Genauso werden sie es nennen. Ein abgekartetes Spiel. Nur ein Durchgeknallter, ein Vorbestrafter Gewalttäter. Es wird auf Mord rauslaufen. Beweise wird es geben. Und Zeugen. Oh, ja. Viel Zeugen, die alles gesehen haben. Wahrscheinlich werden sie sogar behaupten ich hätte Goldie entführt und vergewaltigt. Und dann werde ich warten, in einer einsamen Zelle. Warten auf den Tag, an dem das Essen kein bisschen besser wird als sonst und an dem mich ein anderer scheinheiliger Priester zum Stuhl führen wird. Sie werden mich fesseln und sie werden es geniessen und sie werden zu sehen und sie werden den Schalter umlegen und eine million volt werden durch meinen scheisskörper fliessen und sie werden es sehen wie ich mich winde, wie ich brenne, wie ich sterbe. Und dann werden sie aufstehen und nach Hause gehen, in dem Wissen, das sie gute Menschen sind und nur ein Verrückter heute gestorben ist der es nicht anders verdient hat und die Welt für sie einfach ein bischen besser und sicherer geworden ist...
Ich sehe das Bild vor mir, ganz tief drinnen, und ich weiss das es so kommen wird. So oder irgendwie. Ich muss aufhören darüber nachzudenken. Ich muss schließlich noch ein paar Leute umbringen. Und wenn ich es richtig mache ist es egal was die anderen sagen. Ich werde als Sieger begraben werden...

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